Die vollkommene Liebe aus dem Buch "Zohar" und das Gebet "Ursprung des Lichtes"

Große Liebe, das heißt vollkommene Liebe, ist nach zwei Seiten hin vollkommen. Wenn sie nicht beide Seiten einschließt, ist es keine Liebe, die richtigerweise vollkommen genannt werden könnte. Aus diesem Grund haben wir gelernt: Zwei Seiten hat die Liebe zum Heiligen, er sei gepriesen: Eine betrifft den, der ihn liebt, weil er reich geworden ist, ein langes Leben hat, im Kreis seiner Kinder (glücklich) ist, über seine Feinde triumphiert und ihm sein Weg geebnet wurde. Deshalb liebt er ihn. Wenn es sich ins Gegenteil verkehrte und der Heilige, er sei gepriesen, das Rad des Schicksals zum strengen Gericht drehte, dann würde er ihn hassen und überhaupt nicht mehr lieben. Darum ist diese Liebe eine Liebe ohne Fundament. Die Liebe, die vollkommen genannt wird, ist diejenige mit beiden Seiten, sowohl in (der Zeit des) Gerichts als auch bei Güte. Der erfolgreiche Weg, seinen Herrn zu lieben, ist so, wie wir gelernt haben: "sogar wenn er deine Seele nimmt". Das ist die vollkommene Liebe mit beiden Seiten. Darum erstrahlte das Licht des Schöpfungsaktes und wurde danach verborgen. Als es verborgen wurde, kam das strenge Gericht hervor, und die zwei Seiten wurden miteinander verbunden, um vollkommen zu sein. Das ist die Liebe in der richtigen Weise. (Das Buch des hochstrahlendes Lichtes "Zohar" I, I 2 a.)

Ursprung des Lichtes

 

Gott des unvergänglichen Lichtes,
erleuchte die Tiefen meiner Seele
und durchdringe die Finsternis meines Herzens.

 

 

Entfache in mir das Feuer deiner heiligen Liebe,
damit durch mich ein wenig mehr Wärme und Güte
zu den Menschen meiner Umgebung kommt.

 

Entzünde in mir jene Glut, die beständig leuchtet,
damit die Achse des Alltags sie nicht erstickt.

 

Belebe in mir das Feuer der Begeisterung,
damit die Trägheit mich nicht schwerfällig macht.

 

Erneuere in mir die Kräfte deines Geistes,
damit die Schwachheit mich nicht lähmt.

 

Entsorge in mir allen Unrat,
damit ich mehr Raum für dich habe.

 

Durchströme mich mit deinem göttlichen Glanz,
damit er sich in meinen Augen widerspiegelt.

 

Befreie mich aus dem Zwielicht der Zerrissenheit,
damit ich ein ganzer Mensch werden kann.

 

Ergreife mich hinein bis in die verborgenen Dunkelheiten,
damit ich entschieden und lauter meinen Weg gehe.

 

Tauche mich ein in den Ursprung deines Lichtes,
damit ich niemals vergesse, daraus zu leben.

 

Paul Weismantel aus dem Buch "Das grosse Buch der Gebete" von Kürzinger und Sill, München, 2003