Weihnachten heute und damals (III)

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Nikolaus und Knecht Rupprecht - Zeichnung (evtl. um 1900). Hamburg, Museum für Völkerkunde. Foto: Archiv des Autors
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Die grausame Lucia als Percht - Nach einem Holzschnitt aus dem 18. Jh. Foto: Archiv des Autors

Luzia - 13. Dezember

 

Die hl. Lucia (die Lichtvolle, von lat.: lux=Licht) ist historisch belegt. Etwa 286 in Syrakus auf Sizilien geboren, starb sie um 304 als Märtyrerin unter Kaiser Diokletian (284-305), weil sie keusch leben wollte und deshalb als Christin denunziert wurde. Bestattet wurde sie in einer frühchristlichen Katakombe, über die sich seit byzantinischer Zeit eine Kirche, S. Lucia, heute in der Neustadt von Syrakus gelegen, erhebt. Wo ihre Gebeine heute ruhen, ist umstritten, vor allem zwischen S. Geremia e Lucia in Venedig und dem Vinzenzkloster zu Metz in Frankreich. In Italien ist Luzia eine populäre Volksheilige, deren Lied "Santa Lucia" weit über Italien hinaus bekannt ist.

 

Bis zur Gregorianischen Kalenderreform 1582 fiel der Festtag der hl. Luzia, der 13. Dezember, ein Lichtertag, auf die Wintersonnenwende, da durch die ungenaue Jahresberechnungsmethode "der kalender nachging", d.h., am 13. Dezember war nach dem Sonnenjahr bereits der 25. Dezember. Bekanntlich kurierte Papst Gregor XIII. (1572-1585) den Fehler dadurch, daß er 1582 einige Tage ausfallen ließ: Auf Donnerstag, den 4. Oktober, folgte unmittelbar Freitag, der 15. Oktober. Nicht überall folgte man der "papistischen" Kalenderreform, so daß in protestantischen und orthodoxen Ländern die alten Verhältnisse zum Teil noch bis in unser Jahrhundert erhalten blieben.

 

Weil der Lucientag somit - zumindest über Jahrhunderte für alle und Hunderte von Jahren noch für andere - in der dunkelsten Nacht begangen wurde, verband sich die Heiligengestalt, vor allen Dingen in den Alpenländern, mit vorchristlichen Dämonengestalten. Die grausige Luzia trat in verschiedenen Gestalten auf: als Lutzelfrau, Lussibrud, Luzienbraut, Pudelmutter, Butzenlutz, Lucka oder Luzia. Als häßliche Gestalt furchteinflößend, bedrohte sie schlampige Mägde und ungezogene Kinder. Wer nach dem abendlichen Angelus noch aus dem Haus ging, konnte ihr Opfer werden. Lügnern schnitt sie die Zunge ab. In der Luziennacht war es streng verboten, Brot zu backen, zu spinnen oder zu nähen. Wer es trotzdem tat, mußte mit der Rache der grausamen Lucia rechnen.  

In Österreich  trat Luzia in Begleitung des Nikolaus als Budelfrau oder an ihrem Festtag als weißgekleidete Lutscherl auf, in anderen Gegenden auch als Schnabelpercht. Mancherorts bestraft Luzia nicht nur, sondern belohnt geordnete Verhältnisse mit kleinen Gaben. In Schweden wird die Luziennacht als Mittwinternacht gefeiert. Dort ist Luzia zur lichtertragenden Gabenbringerin geworden. Das älteste Mädchen einer Familie tritt am Morgen des 13., dem Luzienmorgen, in einem langen weißen Kleid auf, den Kopf mit einem Kranz aus Preißelbeeren geschmückt, in den brennende Kerzen gesteckt sind. Diese Luzia weckt alle Familienmitglieder und serviert ihnen das Frühstück ans Bett. In den Dörfern und Stadtteilen wird am Vorabend der Luziennacht eine Luzienbraut gewählt. 

 

Während fast alle Anklänge an die grausige Luzia inzwischen untergegangen sind, hat sich aus dem alten Brauchtum das "Lichtopfer" erhalten, ursprünglich wohl eine Art Beschwörungsopfer. Nach einem Gottesdienst setzen Kinder in Fürstenfeldbruck selbstgebastelte Papiehäuschen, die von innen durch eine Kerze erleuchtet sind, auf einem Brettchen auf dem Fluß Amper aus. Der wohl erst seit dem 18. Jahrhundert bestehende Brauch (Lichterschwemmen) wurde ursprünglich von Erwachsenen ausgeübt. Ähnliche Bräuche gab es im 17. Jahrhundert in Regensburg und in Wasserburg am inn. In Franken bestehen seit jüngerer Zeit, nämlich unserem Jahrhundert, Lichterumzüge am Tag der hl. Luzia.

 

Der Luzientag war früher mit Losbrauchtum und Wetterorakeln verbunden. Beispielsweise trennten Mädchen am Gedenktag ein Stück Weidenrinde ab, ritzten ein Kreuzzeichen in den Stamm und banden die Rinde wieder fest. Wenn sie am I. Januar die Stelle wieder enthüllten, suchten sie aus den veränderten Zeichen die Zukunft zu deuten. Oder: Vor allem im Burgenland säte man am 13. Dezember Weizen in einen mit Erde gefüllten Teller (Tellersaat, Luziaweizen, Luzienweizen). Wenn die Saat bis zum Heiligabend aufging, kündigte dies ein gutes Erntejahr an. Besonders Mutige wagten sich in der Luziennacht nach draußen, um den Luzienschein zu sehen, der die Zukunft deuten sollte. - Wie Barbarazweige schneidet man am 13. Dezember Kirschzweige als Luzienzweige. Der Festtag der Luzia war im Mittelalter zeitweise und in verschiedenen Gebieten Kinderbeschenktag für Mädchen.

 

Quelle: "Feiern Feste Jahreszeiten", Manfred Becker-Huberti, Freiburg im Breisgau, 1998, S. 119-121

 

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Christkind und Hans Trapp (Elsaß) - Holzstich aus: Otto Freiherr von Reinsberg-Düringfeld; Das festliche Jahr, Leipzig 1863; Foto: Archiv des Autors