Weihnachten heute und damals (Teil II)

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Christkindlmarkt in Nürnberg; Foto: Stoja Kunstverlag, Nürnberg

"Christbürde" lautete der mittelalterliche Sammelbegriff für kleine Geschenke an Kinder zu Weihnachten, wie sie um 1500 benannt werden:"Wägelin, Pappenmänner zum Ziehen, Klappern, Schäfgen und Pferden." Ansonsten war als Geschenk der Paten an ihre Patenkinder in der Weihnachtszeit das Patenbrot üblich. Die Mädchen erhielten meist eine Lebkuchenfrau und die Jungen einen Lebkuchenreiter. 

 

Gekauft wurden diese Kleinigkeiten auf dem Weihnachtsmarkt. In der Vorweihnachtszeit kam im 14. Jahrhundert der Brauch auf, Handwerkern wie Spielzeugmachern, Korbflechtern, Zuckerbäckern u.ä. zu erlauben, Verkaufsstände auf dem Marktplatz zu errichten. Schon damals wurde auch das leibliche Wohl der Marktbesucher berücksichtigt: Es gab geröstete Kastanien, Nüsse und Mandeln zum Wohlbefinden. Zu den bekanntesten Weihnachtsmärkten gehören der Nürnberger Christkindlesmarkt, der Münchner Christkindlmarkt (1310 erstmals erwähnt) und der Dresdner Striezelmarkt (1434).

 

Zuerst beim evangelischen Adel seit dem 17. Jahrhundert und dann bei immer weiteren Bevölkerungskreisen, spätestens nach 1918 auch in traditionell katholischen Gegenden wandelten sich die Weihnachtsgeschenke. Ursprünglich bestanden sie aus Gebäck, Äpfeln, Nüssen und wirklich kleinen, meist selbstgebastelten Geschenken. Mit der Verbreitung des Weihnachtsbaumes und der Entwicklung des Christfestes als familiäres Kinderbeschenkfest ändert sich auch die Geschenke. Man schenkte geschlechtsspezifisch und rollenbezogen: Für Jungen gab es Kutschen, Soldaten, Bücher, Trompete und Trommel; für Mädchen Puppe, Wiege, Puppenküche, Spiegel, Kamm und Bürste. Die Geschenke bestärkten die vorgegebene, soziale Rolle und definierten zugleich das Prestige der Beschnenkten und der Schenker. Die Puppe, die nicht jedes Mädchen hatte, die Bleisoldaten, die andere sich nicht leisten konnten, ließen die Besitzer auf für andere unerreichbare Prestigestufen emporklettern.

 

Quelle: Feiern Feste Jahreszeiten", Manfred Becker-Huberti, Freiburg im Breisgau, 1998, S. 146-148

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Weihnachtsmarkt (um 1830). Foto: Archiv Dietz-Rüdiger Moser